Gratis Browsergames meist garnicht gratis

19. Januar 2010 | Von Henning | Kategorie: Digital

Zocken per Browser ist ja nichts neues. Ich glaube mein persönlicher Erstkontakt mit kostenlosen Spielen per Webbrowser waren Sportwetten irgendwann in den 90ern. Die Vielfalt dieser Art von Spielen ist seither allerdings geradezu explodiert. Seit eingen Jahren werben ja sogar TV-Sender für ihre (scheinbar) kostenfreien Browsergames: "Sevengames", die durch Pro Sieben beworbene Plattform, z.B. bietet kostenfreie Spiele wie das Piratenspiel "Seafight" an, daß per se erstmal nichts kostet. Möchte man aber tatsächlich "oben mitspielen" ist man eigentlich zwangsläufig gedrungen, für reale Euro virtuelle Währung zu kaufen um so an besonders gute Gegenstände oder andere Vorteile zu kommen erklärte mir kürzlich ein Fan dieses Spiels.

Das gefährliche daran ist, daß man im Gegensatz zu "klassischen" Online-Games wie z.B. World of Warcraft (WoW) quasi unbegrenzt Geld ausgeben kann während WoW einen festen Monatsbeitrag kostet und damit einen "Flatrate-Zugang" zu allen Features des Spiels anbietet. Die Verfühung ist groß, einfach zu sagen "Ach komm, eben nochmal ein paar virtuelle Goldmünzen für fünf Euro…". Das kann schnell in überraschend hohen Monatsrechnungen enden und ich bin davon überzeugt, daß mehr als ein Spieler sich damit auch schon arg in finanzielle Bredouille gebracht hat. Problematisch ist weiterhin, daß durch das Eingreifen mit Bargeld auch der Wettbewerb innerhalb des Spiels verzerrt ist: Wer viel Geld ausgibt wird tendenziell auch erfolgreicher sein als jemand, der das nicht tut.

Das soziale Netzwerk Facebook bietet ebenfalls ein interessantes Konzept zum Thema Browserspiele an: Es gibt verschiedene, vom System her immer ähnliche und nicht allzu komplexe Spiele die als Anwendung in die Facebook-Plattform eingebettet werden können. Ob man sich dabei als Bauer betätigt und seine Felder in “Farmville” bestellt oder ob man sich zum Mafia-Don berufen fühlt und bei “Mafia-Wars” Tommy-Gun schwingend Schutzgelder erpresst bleibt da der persönlichen Präferenz überlassen. Auch bei diesen Spielen kann man sich für reales Geld virtuelle Vorteile kaufen. Das ist nicht innovativ. Neu hingegen ist der soziale Faktor und die Art der Verbreitung dieser Spiele: Um in den Spielen erfolgreich zu sein, braucht man Freunde (bei Farmville sind es Nachbarn, bei Mafia-Wars ist es die “Familie”). Diese muss man aus dem eigenen Facebook-Freundeskreis rekrutieren. Wirbt man also erfolgreich innerhalb des eigenen Freundeskreises für das Spiel, bringt einen das selbst weiter. Für den Betreiber eine ziemlich geniale Art der Verbreitung. Einen Facebook-Account hat ja mittlerweile fast jeder und selbst Leute, die ohne weiteres nicht auf die Idee kommen würden, ein Browserspiel zu spielen, sind leicht neugierig zu machen, da die Spiele eine Reihe von Einträgen auf der eigenen Pinnwand verfassen und man schon mit einem Klick “drin” ist. Ziemlich genial und ist möchte wetten auch ziemlich lukrativ durch die virale Verbreitung.

Besonders kreativ ist der Betreiber Zynga bei der Gestaltung seiner Spiele nicht. Neben Mafia-Wars gibt es z.B. noch Dragon Wars, Fashion Wars, Pirates, Vampire Wars uvm. Das Spielprinzip ist immer gleich, die Spielmechanismen auch, Unterschiede gibt es nur im Detail. Einzig das Thema unterscheidet sich. Kauft man sich in Mafia-Wars eine andere Pistole um seine Gegner besser beharken zu können, so kauft man sich in Vampire-Wars vampirische Fähigkeiten wie “Flug” oder “Gedankenkontrolle”.

Diese Spiele sind, gerade wenn man in seinem Facebook-Freundeskreis viele Mitspieler hat, trotzdem spannend und lustig. Keine Frage. Ich selbst bin seit ca. 2 Monaten im Mafia-Geschäft unterwegs. Allerdings werde ich mich hüten, dafür Geld auszugeben. “Für lau” ist’s nett, mehr aber auch nicht. Mehr als eine Variante der Facebook-Spiele brauche ich aus den genannten Gründen nicht zu spielen…

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Ein Kommentar
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  1. Hallo Henning,

    schöner Artikel und absolut richtig. Ich denke auch, dass der ein oder andere bereits böse Überraschungen erlebt hat.

    Allerdings muss man auch die Vorteile dieser Browsergames sehen:
    Durch z.B. Premium-Accounts ist eine weit höhere Qualität möglich, als dies bei Spielen ohne kommerziellen Hintergrund jemals möglich wäre. Premium-Accounts bewegen sich oft bei ~3Euro/Monat.
    Wenn ein herkömmliches PC-Spiel nun um die 40 oder 50 Euro kostet, ist das Browsergame sehr viel günstiger. Vor allem da die Spielstunden bei Browsergames oft sehr viel höher sind.

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